gib mir ein T

Vorgestern habe ich 1,5 Stunden mit meinem Teehändler telefoniert.
Er war mehrere Wochen in Japan im Urlaub, aber hat sich ausschließlich auf dem Gelände der Teeschule aufgehalten.
Keine Ahnung, was das bedeutet, es klingt auf jeden Fall sehr geheimnisvoll und das finde ich gut, weil privat bin ich auch gerne geheimnisvoll. 1 Geheimnis von Meter Mütze: Ich gehe zu Randzeiten in den Penny, öffne ein Glas Deutschländer, zieh mir eine Wurst raus, verschlinge sie auf der Stelle, verschließe das Glas wieder und stelle es zurück. Really?

Der Name meines Teehändlers ist Tan Kutay. Ja, das klingt wie zum Tee passend ausgedacht, asiatisch, exotisch, aber det is Berlin! Det is Beeerliiin.

Der Kumamoto Tamaryokucha Yabukita, sei bezaubernd, sagte er, Tamaryokucha, ein Tee nach traditioneller japanischer Machart, gekräuselte Blätter, keine von Maschinen gebürsteten, glänzenden Nadeln.
Wenn ich nicht von Maschinen gebürstet werden möchte, sagte ich Tan Kutay, warum sollte Tee das wollen!? Das ist doch eine Abart! Eine Mops-ähnliche Fehlentwicklung! Sie Schwein! Hören Sie auf, den Tee zu bürsten!

Herr Mütze – kennen sie dann schon meinen Temomi Sencha Mariko Yabukita? Temomi – handgepflückt und handgerollt, keine Maschinen, Duft und Tasse geprägt von eingebetteter Süße, Artischoke und Gräsern, enganliegendes Umami – das Blatt ist sichtbar beschattet worden, die Dämpfung recht leicht. In Geschmack und in Verarbeitung ein kaum zu überbietendes Gesamtes!

Handgepflückt und handgerollt.

Was Tan Kutay schon alles in seiner Teetasse gesehen und geschmeckt hat.

Erdnuss, Artischoke, das WM-Finale 2018, lamellenartiges Aufquellen und ein leicht adstringiriendes Prickeln auf der Zunge. Die Teebeschreibungen seines Onlineshops sind romantische Naturgedichte, entgleist, auch lächerlich, ein wenig wie Werther. Nee, nicht der Bonbon, der andere Werther. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Da habt ihr’s, 1 Geheimnis von Meter Mütze. Auf die Liebe, Freunde!

Sie haben doch eine Teekanne von Noburo Hirybayashi, oder? Darin sollte der Temomi ganz wunderbar gelingen!

Und er weiß längst mehr über mich als das Finanzamt Hamburg-Mitte, Amazon, Google oder Facebook. Meine Vorlieben, meine Schwächen, meine Teeausstattung. Ein Fuchs.

Inspiriert durch ihre Wünsche, Neu für Sie, Angebote zum Verlieben.

Auf eine Matcha-Verkostung ließ ich mich jedoch nicht ein. 8 verschiedene Matchas an einem Nachmittag, der Nachmittag an dem sich mein Herz zu einem saftigen Steak weitet und aus meiner unrasierten Brust springt. Übrigens, meine Brustbehaarung: Tamaryokucha, gekräuselt, nicht gebürstet! Aber mit Matcha kann ich nicht viel anfangen, mir fehlt der Zugang, wahrscheinlich wird Matcha genau wie Kroketten auch überschätzt. Werden Kroketten überschätzt? Frag ich mich immer.

Restbestände britischer UKW-Strahlen aus den 1950er Jahren.

Sein Geschäft ist das einzige, indem ich mich mehrere Stunden aufhalte, ohne dass mir die Zeit lang wird.

Dabei probiere ich verschiedenste Tees mit ihm, bewundere Teeschalen aus Anagama-Brand, Blattsortierungen, Fukamushi, Kukicha, Tennen Gyokuro, manche Teebauern pflanzen zwischen ihre Teepflanzen Kohl, um dem Tee die Bodennährstoffe zu entziehen, damit dieser seine Wurzeln tiefer in die Erde hinein treibt und die Eigenheiten des Terroirs um so mehr in sich aufnimmt.

Herrlich, Diggi.

Den Tamaryokucha empfehle ich gern, wenn auch kein gefälliger Einsteiger wie der Sencha Wazuka oder der nach Erdnuss schmeckende Asakaze Sencha.

Gibt sich ein T,

Meter

1 Kommentar zu “gib mir ein T

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