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ich höre Radio und denke mir Romananfänge aus

Es stimmt zwar nicht, aber für diese Ausgabe habe ich mir meine Augenbrauen von außen nach innen gegen den Strich gekämmt.

Im Deutschlandfunk erzählte gestern ein Studiogast die Geschichte von James Cook. Cook hätte auf einer der von ihm entdeckten Inseln plötzlich eine Verstopfung erlitten, die den sicheren Tod bedeutet hätte.
Aus dem einzigen lebenden Tier der Insel, einem Pudel, kochte ihm sein Begleiter eine Suppe, mit der die Verstopfung gelöst werden konnte.

Ich bin sonst eher der leichtgläubige, dümmliche Typ, aber diese Geschichte war doch erfunden, dachte ich. Und so etwas im Deutschlandfunk, wo ab 20 Uhr toternste E-Musik gespielt wird, die ich erst nie bemerke, von der ich dann aber ganz schnell schlechte Laune bekomme.

Pudelsuppe – auf Französisch Soup aux Poules, dann schon wieder etwas anderes, köstliches, verlockendes.
Ich träume mich in die Hauptstand von Paris, in ein Bistro oder Restaurant, bestelle erst eine kräftige deutsche Kartoffel-Boillon, boillon de pomme de terre allemand, ordere dann die Soup aux Poules Garçon! und fange an, laut auf Französisch zu zählen, weil es mich gerad total packt. Un, deux, trois! Komme aber bloß bis zur 12, douze.
Douze.
Douze.

Ich versuche mich an die 13 zu erinnern, doch komme nur auf 19, dix-neuf, als ich 19 war, und die damalige Beziehung zu einer Frau.

Ich wohnte in Kiel. Sie auch.

Wenn ich die letzten zwei Sätze noch einmal lese, denke ich, superguter Romananfang für eine mittelmäßige Lovestory!

Und wie wäre es mit:

Ich war gerade dabei, die Kristalle meines Humidors nachzufüllen, als die abgetrennte linke Pfote meines Hofhundes an einen Stein gebunden durch die Balkontür krachte. Zwischen den Zehen, zusammengerollt, ein Zettel mit der Aufschrift „Verräter!„.

Oder, fällt mir gerad so ein:

„Ist mir doch egal, Hauptsache Puls“, krächzte Finn, knallte seiner Mutter die Haustür ins Gesicht und stieg zu Marion ins Auto, seiner neuen, 22 Jahre älteren Freundin und Zahnärztin. Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand, dass Marion die Schwester seines Vaters war.

Puh, harter Stoff, gerade auf den letzten Seiten. Oder:

Im Verlauf der Party war Lisa irgendwann nach oben gegangen, auf den Dachboden, hatte sich dort eingeschlossen und war jetzt, 9 Tage später, immer noch nicht wieder heruntergekommen.
Indessen war ein großes Paket von Amazon für Lisa gekommen, das der Gastgeber ihr wie zur Buße, auch wenn er sich keiner Schuld bewusst war, vor die Dachbodentür schleppte. Was es wohl war?, fragte er sich.

Immer wieder Amazon.
Jetzt etwas heiteres:

Man sah Martin nicht an, dass er ein echter Zauberer war, der sich während des dreißigjährigen Krieges noch in Paris versteckt hatte, aber nun hatte er seinen Zauberstab in einem Coworking-Space in Berlin vergessen und Berlin war nicht für seine ehrlichen Finder bekannt. Und in acht Tagen schon fand das jahrhundertliche Zauberertreffen auf Island statt.

Aber Meter, was war jetzt mit dieser Freundin in Kiel!?

Mmhh.
Wenn wir einander besuchten, brachte der eine dem anderen Mozzarella mit, ich Kuh, sie Büffel, ich auf dem Gepäckträger, sie in der Innentasche ihres Blumenblousons mit grünem Reißverschluss.
Das war der Sommer.
Im Winter wollte sie mit mir zusammenziehen und ich beendete die Beziehung, was ich nur aus Selbstschutz behaupte, weil es tatsächlich andersherum war.

So sad.
Meter

Meter Mütze

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Meter Mütze

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